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Tagesexkursion Villa Waldfrieden und BauHausFischer in Wuppertal am 27.04.2019

Am 27. April fand im Rahmen des Jahresschwerpunktes „100 Jahre Bauhaus“ eine Exkursion nach Wuppertal statt im „Skulpturenpark Waldfrieden“, der von dem in Wuppertal beheimaten, international renommierten Bildhauer Tony Cragg betrieben wird. Im Anschluss wurde das BauHausFischer besichtigt.

Dank persönlicher Kontakte wurde den Mitgliedern der KuMG exklusiv die Besichtigung der Villa Waldfrieden unter sachkundiger Führung des Geschäftsführers des Skulpturenparks Waldfrieden, Michael Mader, ermöglicht. Gleich nach Kriegsende beauftragte der Lackfabrikant Kurt Herberts den Künstler und Architekten Franz Krause, den er wegen der „Ori­ginalität seiner Gedankengänge“ schätzte, zum Wiederaufbau seiner im Krieg zerstörten Villa. Krause war mit den Theorien und der Ästhetik der Bauhaus-Bewegung eng vertraut, von 1926 bis 1927 war er technischer Bauleiter an der Weißenhofsiedlung in Stuttgart.

Die singuläre organische Form des Neubaus ent­wick­elte Krause in Kor­res­pon­denz zu drei dy­nam­ischen Fakto­ren: zu den Be­we­gungen des mensch­lichen Körpers, zur Natur des um­geb­enden Geländes und zum einfallenden Tageslicht. Das zweigeschossige Wohnhaus und die Gelände- und Garten­gestaltung wurden zwischen 1947 und 1950 realisiert. 2006 erwarb der Bildhauer Tony Cragg mit dem Anwesen auch die unter Denk­mal­schutz stehende Villa nach langem Leerstand. Um ihr einen lebendigen Part in dem von ihm konzipierten Skulpturenpark zuzuweisen, galt es, die Villa nicht nur zu restaurieren, sondern sie auch neu zu inter­pre­tieren. Diese Transformation konnte nirgends besser auf­ge­hoben sein als in den Händen des Bildhauers und seiner Werk­statt. Bei höchstem Respekt vor dem ursprünglichen Form­experiment des Architekten wurde das abgelebte, ganz auf den Bauherrn und seine Familie zugeschnittene Wohnhaus in ein lebendiges Zentrum des Parks verwandelt.

Das BauHausFischer belegt, dass das progressive Gedankengut der Bauhausbewegung schon sehr früh in konkreten Bauwerken im Westen Realität wurde.

In Hagen scharrte der Kunstmäzen Karl Ernst Osthaus talentierte Architekten um sich, so auch Walter Gropius. Durch Osthaus wird Gropius Mitglied im Deutschen Werkbund, jener Vereinigung, in der sich die Reformbewegung institutionalisiert und deren Design-Agenda mit der des Bauhauses praktisch identisch ist. Osthaus schlägt ihn später seinem Freund Henry van de Velde als Direktor in Weimar vor. In Krefeld engagierte sich das Kaiser-Wilhelm-Museum für die Ideen der Reformbewegung. Peter Behrens, der größte Magnet für Talente, war Direktor der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf, bevor er in Berlin sein eigenes Baubüro eröffnete.

In dieser Region und ihrem künstlerischen Milieu bewegte sich der Architekt des BauHausFischer, Hans Heinz Lüttgen (1895 bis 1976). Er war Architekt, Innenarchitekt und Künstler. In den 1920er Jahren gehörte er zum Kreis der „Kölner Progressiven“ um Max Ernst, Franz Wilhelm Seiwert, August Sander, Heinrich Hoerle – mit dem er eng befreundet war – und anderen. 1928 war er Mitbegründer der Gruppe Block Kölner Baukünstler. Nach seinen Entwürfen entstanden u. a. in Köln die Sartory-Säle und Siedlungsbauten in Riehl sowie in Wuppertal eine Reihe von Einfamilienhäusern und Villen, die dem Stil des Neuen Bauens der 1920er und 1930er Jahre zuzuordnen sind und inzwischen „Kultstatus“ genießen. Im Auftrag des Rechtsanwaltes Walter Fischer baute Lüttgen 1926/27 ein Haus am Wald an den Südhängen Wuppertals für Fischer und dessen Familie. Einerseits den Funktionalismus des Bauhauses entsprechend, baute er vor innen nach außen. Andererseits spricht er sich in einem Manifest gegen die Gefahr des – in seinen Augen – Maschinellen, Unmenschlichen der Ideologie des Bauhaus aus. Er legt großen Wert auf ästhetische Details im Innen- und Außenraum und entwickelt auf seine Weise ein Gesamtkunstwerk. Walter Fischer, der als Jude dem Zionismus nahestand, bewies mit der Wahl von Lüttgen ein hohes Maß an Modernität und Progressivität, das neue Bauen stand für ihn für eine neue Gesellschaft. In dem damaligen Umfeld von repräsentativen Gründerzeitvillen stellte das von Luise Strauss Ernst ( die erste Frau von Max Ernst) allein schon wegen seiner Farbigkeit gelobte Gebäude eine Provokation dar.

Der Naziterror vertrieb Walter Fischer und seine Familie schon 1933 aus Deutschland nach Palästina und auch Hans Heinz Lüttgen emigrierte 1939 – erst in die Schweiz und dann nach Brasilien.  Der Maler Hartmut Neumann hatte zur Zeit der Besichtigung durch KuMG eine Präsentation von Bildern im BauHausFischer, die von der Auswahl her mit der Örtlichkeit in eine ästhetische Spannung traten.

Bei einem Glas Wein und einem kleinen Imbiss klang die Exkursion sehr gesellig aus.

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